6. Januar 2026, Dienstag, Heilige Drei Könige

Oberfranken nach drei Wochen Argentinien: gut. Der Weihnachtsbaum steht schon draußen, der Schnee ist schwer und nass. Aus dem Bilderbuch Vögel im Winter bei dir zu Gast (Verlag Coppenrath), dem wunderbaren Weihnachtsgeschenk meiner Schwester Katharina, lerne ich: Jetzt singen der Zaunkönig, der Erlenzeisig, der Eichelhäher, Star und Kleiber, der Haussperling (frisst auch gerne Speisereste von Menschen, wie Brotkrümel), die Kohlmeise, der Buntspecht, der liebe Bergfink.     

Habe ich hier echt acht Wochen, also genau seit 5. November letzten Jahres, keine Meldungen mehr geschrieben? Offenbar: ja. Genau so ist es. Merke: Wenn ZU VIEL los ist, so viele Emotionen, zu viel Aufregung (haha), zu viel Zürich und seine schönen Lokale, zu viel Paris und zuletzt eben meine drei Wochen als superschicker Gaucho auf der Estancia Ojo de Agua in der Provinz Buenos Aires/ Argentinien, dann bringt es nichts, dann setzt es sich nicht, sortiert es sich nicht, entsteht keine Lust, auf der Basis der äußeren Ereignislosigkeit ins Denken, Fabulieren und ins Mal-sehen-wo-wir-quatschend-heute-hinkommen hineinzukommen, dann ist alles gleich wichtig und alles gleich egal, dann bin ich WIRR, dann gibt es nichts zu sagen. Ich brauche, ganz normal, eine gewisse Eintönigkeit im Alltag, ich brauche das oberfränkisch Runtergedimmte, sonst entsteht kein Text.

Bitte lesen Sie heute auch meine Gedanken zur Malkunst meines Vaters (Hans-Jochem von Uslar-Gleichen, 1936 bis 2022), gestern Nacht entstanden nach einer 7-Stunden-Autofahrt von Zürich, notiert auf Instagram. Mein Onkel Louis hatte mir ein sehr geliebtes Bild meines Vaters zu Weihnachten geschenkt (gestern Nacht erst ausgepackt) — wirkt vielleicht ein bisschen peinlich, WIE gut ich meinen Vater finde und immer schon gefunden habe, eben wirklich als Künstler, mich hat immer begeistert, wie sich das TALENT/ die Könnerschaft bei meinem Vater seinen Platz nahm. Einige Menschen können malen, andere können es eher nicht, gleiches gilt natürlich fürs Schreiben.

Im Musik-Kalender 2026, diese Jahr zum Thema „Inspiration und Musik“, sagt der mir vollkommen unbekannte aus Budapest stammende Komponist Péter Eötvös (1944 bis 2024) auf dem ersten Januar-Blatt exakt das, was einwandfrei wahr ist und was ich seit Jahren bei praktisch jeder Gelegenheit sage, ganz gleich, ob es jemand hören möchte oder nicht:

„Die Inspiration kommt, wenn man sich hinsetzt, wenn man nicht ständig verreist, Briefe schreibt und herumtelefoniert.“ Alles klar, Maestro. WORD UP.

Die Frankenpost der Feiertagsausgabe 5. und 6. Januar meldet heute, im Teil Fichtelgebirge: Auf der Selber Straße in 95173 Schönwald hat ein Unbekannter eine schwarz-rote Flagge entwendet. Der Täter zog sich für die Tat eine Sturmhaube über, die Entfernung vom Tatort erfolgte in einem cremefarbenen Kleinbus. Der Wert der Flagge betrage, laut Frankenpost, okay: 10 Euro.

Eine Sturmhaube? Ein cremefarbener Kleinbus? Eine schwarzrote Flagge?

Es wird kein einfaches Jahr, dieses 2026, das hat auch nie jemand behauptet. Aber wir werden es allen Eindringlingen in cremefarbenen Kleinbussen, allen Putins, allen Trumps, allen Neonazis und Sahra-Wagenknecht-Fans, allen TSV-1860-München-Präsidenten, die in Schönwald traditionsreiche Porzellanindustrien zum Jahresende 2027 schließen wollen, verdammt schwer machen, we won‘t give up. Noch ist Oberfranken nicht verloren. Let‘s go.

Und, ach so: Mögliche Zeugen melden sich bitte bei der Polizei in Marktredwitz.