24. Januar 2026, Samstag

Der Kopf sortiert, panisch. Aber: heute leider mal wieder überhaupt keine Klarheit. Und die schöne, bissl stumpfe Diesigkeit — Milde gegenüber der eigenen Nicht-immer-ganz-Großartigkeit —, die es braucht, um irgend etwas hinzuschreiben, sie stellt sich auch nicht ein.

Versuch, Peter Richter in der neuen Zeitschrift für Ideengeschichte („Weltmacht DDR“) zu lesen: Die Tribüne vor den Plattenbauten am Bauabschnitt II auf der Karl-Marx-Allee wird noch mal dekorativ neben Donald Judds Stahl-Regal von 1968 gelegt, auch als Fotomotive auf einer Doppelseite. Schöner Satz, neben den vielen anderen Pointen und Blitzsätzen, die es bei Peter Richter immer gibt: „Auch, wenn es offenbar viele kaum wahrnahmen: In den unterschiedlichen Sektoren des Neubaugebiets Marzahn sahen die Häuser tatsächlich ein bisschen unterschiedlich aus, bildeten leicht verschiedene Formationen, (…).“

Ich war als Kind einfach zu viel in Ost-Berlin und in der DDR unterwegs — nicht übertrieben, zwischen 1979 und 1982 gefühlt jeden zweiten Sonntag am Alexanderplatz, mit Mindestumtausch (Erwachsene 25, Kinder 7,50 DM): Dieser dumme Staat mieft mich bis heute an. Da hat man zum Hin- und Herdenken auf dem Feld Architektur-Avantgarde in der DDR gleich eine dumme Ungeduld in sich, sorry, sorry.

„Von der DDR wird nichts bleiben. Sie wird vergessen werden.“ (Christoph Hein in Der Spiegel, 4. April 2025).

Der RE gleitet durch Oberfranken und die Oberpfalz, heute Richtung: Traunstein.

Heute Abend tritt Andi Bernard (unter anderem Ex-Gitarrist bei Carrera) mit seiner neuen Band Repeater in Traunstein auf. Ort: die in der Region und bis nach München und nach Salzburg bekannte Indie-Bühne Festung. Da ist man als Freund, der seit dreißig Jahren Freund ist und es die nächsten Jahrzehnte bleiben möchte, erstens mit einem Hellen in der Hand und, zweitens, mit einer ganz und gar hellen Freude dabei.

In Regensburg, wo der Zug den Bahnhof in entgegengesetzter Richtung verlässt, steigt ein offenbar geistig verwirrter Turbosachse ein. Und fängt gleich an — in voller Sachsen-Lautstärke — komplett viel zu laut und ja, sicher auch ein wenig emotional, aus seinem offenbar total verkorksten Leben zu erzählen.

Bleib stark, Turbosachse, du hast ganz recht, dass du allen Leuten — denen, die dich kennen, und den vielen, die dich nicht kennen — aus deinem nicht weiter aufregenden Leben erzählst!

Diesen feinen deutschen Bürger, so dachte ich auch gerade, wünsche ich mir in einem Podiums-Fachgespräch mit Peter Richter zu den Entwürfen des DDR-Stararchitekts Hermann Henselmanns. Hör gut zu, lieber Peter, was der wirre Sachse uns zu erzählen hat. Das ist alles nicht so verkehrt.

Ja, Reisender: Du weißt, dass du am Münchner Hauptbahnhof angekommen bist (wird seit 2019, bisher vollkommen ergebnislos, saniert), wenn du dich zum Aufwärmen runter in die U-Bahn setzen musst.