21. März 2026, Samstag

„Guten Morgen, ich bin Pierre-Laurent Aimard, ein Musiker, der Klavier spielt — als Interpret. Und als Interpret interessiere ich mich für die Kompositionen anderer Menschen, die ich schätze und die mein Leben nähren.“

Er, le pianiste, in seinem wundervollen Franzacken-Deutsch aus seinem Leben und von der Musik in seinem Leben erzählend, immer den Gedanken, die intellektuelle Verdichtung suchend, seine Virtuosität und nervöse, spielfreudige Intellektualität immer wieder neu ins Verständliche und Populäre übersetzend — ich könnte ihm hundert Stunden zuhören: Lieblingssendung Klassik Pop Etcetera.

Versuch, zum Fernandes-Ulmen-Desaster etwas Sinnvolles zu schreiben. Es geht leider nicht.

Man müsse ja nicht immer nur die dööfsten Frauen zitieren, so meine Freundin Julia eben vollkommen richtigerweise am Telefon — es hätten zu dem Fall ja auch schon viele kluge Frauen viel Kluges gesagt. Richtig, absolut richtig, liebe Julia.

Ich hatte ihr soeben, auf der samstagmittäglichen Autofahrt zum Edeka, erzählt, wie wir am Donnerstag der Leipziger Buchmesse in der Bar des Steigenberger Hotels gestanden hatten, noch gut verwirrt und erschrocken über die zu diesem Zeitpunkt etwa zwei Stunden alte Nachricht — ich hatte vorgeschlagen, mit den URTEILEN über das ehemalige Ehepaar Fernandes/Ulmen und die von ihr zur Anzeige gebrachten Verbrechen ihres ehemaligen Ehemanns eine Minimalzeit von circa 12 Stunden zu warten, worauf mir eine junge Frau — wir waren eine halbe Stunde zuvor vorgestellt worden, ich kannte nur ihren Vornamen und sie offenbar meinen — patriarchalische Denkstrukturen und Victim Blaming vorwarf:

„Das Opfer hat gesprochen! Das Opfer hat gesprochen, Moritz — das reicht! Da brauche ich nicht die andere Seite zu hören!“).

Okay.
Okay.

Mein Gott, bin ich froh, dass ich in einer Woche wie dieser nicht Feuilletonchef der Zeit bin. Bis hier in mein Exil in Oberfranken höre ich, wie in Berlin und Hamburg die Telefone heißlaufen: Wie soll man jetzt da bitte aufmachen, was plant man für ein gleichzeitig stilles, mitfühlendes Hinterstück mit immerhin minimal-symbolischen Neuigkeitswert? Es sind jene Tage, in denen eine creepy sexuelle Entgrenzung im Promi-Milieu öffentlich wurde, nicht die Tage für brillanten oder gar innovativen Journalismus.

Was mich auch interessiert — in die Liste der Solidaritätsbekundigungen für Collien Fernandes reihe ich mich selbstverständlich ein, wer würde das nicht tun, sexualisierte Gewalt ist grauenhaft, was Collien Fernandes erlebt hat, ist grauenhaft, nur ein sehr dummer, brutaler Mensch/ ein Unmensch fühlte jetzt nicht mit ihr mit, aber ich fühle eben auch, wie schon Jesus Christus das getan hat, mit den Schuldigen, den Sündern und den Tätern, es ist praktisch meine literarische Pflicht, auch mit ihnen, den umgehend Ausge-x-ten, den Bösen und Verdammten, zu fühlen: Wo hält Christian Ulmen sich jetzt auf? Wird er sich umbringen? Um Gottes Willen.

Spaziergehen, denn es wurde Frühling.

Unter den vielen klugen Frauen, die ich zitieren könnte, empfehle ich heute — stellvertretend für alle besonders klugen Menschen, von denen es, ganz gleich welchen Geschlechts, dann insgesamt doch nicht soooo viele gibt: Angela Richter, Theaterregisseurin, Autorin.
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