1. Februar 2026, Sonntag
Das Pariser Telefonat vom Place des Vosges in Paris mit Kerstin Gleba vom Verlag Kiepenheuer & Witsch. Es ging um … ja!
Seit Freitagabend wieder Zürich und dort vor allem: Bett, sehr gutes Frühstück, wieder Bett, sehr gutes Mittagessen, dritte Bettruhe, leichte Besorgungen, sehr gutes Abendessen. Und Suff. Herrlich.
Das nicht mehr ganz neue Problem, dass man als braver Deutscher die Zürcherinnen und Zürcher schwer versteht — es ist so banal, wie es faktisch zwischen einem steht im Suff-Gedrängel in Bars auf der berühmten, an Samstagen Reeperbahn-artig überfüllten Langstraße: Sie sprechen so grauenhaft langsam (ich weiß, ich weiß, alle in Zürich lebenden Deutschen sagen das, es ist das Gegenteil einer originellen Feststellung) — ich sage in einer Minute etwa die vierfache Menge von Worten, die die Zürcherin sagt, die da neben mir im Gedränge steht, und wenn sie doch mal etwas sagt, muss ich mehr ahnen, als dass ich es wirklich verstehe, dass da irgendwie ein Schmäh, ein Witz, ein Sinn hinter den wenigen Worten steckt.
Mühsam. Und wenn ich doch mal etwas verstehe, also mir eins zu eins der Sinn der eben gesprochenen Worte aufgeht, dann ist da oft ein gähnendes Nichts: kein Schmäh, kein Witz, kein Sinn. Und ich denke: Oh Gott, könnte es sein, dass ich viel zu viel HINEIN GEHEIMNISSE in diese hochinteressante, fremde, immer neue Rätsel aufgebende Bergsprache?
Also gut. Es ist ja auch ein bissl: wurscht.
Ich mag die Zürcherinnen und Zürcher, ich treibe mich gerne nachts in ihrer Stadt herum, auch wenn wir uns schlecht verstehen.
Halten wir weiter fest: Ich bin sehr gewillt, die merkwürdige Sprechsprache der Schweizer zu lernen, die ja ihres Ursprungs nach offenbar einfach ein besonders eigenwilliger deutscher Dialekt ist (Allemanisch, im 5. Jahrhundert in das Gebiet der heutigen Schweiz eingewandert), ich will keine dieser begriffsstutzigen dummen Deutschen sein, die nach zwanzig Jahren Zürich immer noch kein Wort verstehen. Deshalb sage ich jetzt schon immer, wenn eine dieser des Deutschen nicht mächtigen Zürcherinnen mit vollkommen richtigem Trotz und für mich immer nachvollziehbarer Aggression gegen alles Deutsche in ihrer Rätselsprache auf mich einredet — „Ihr müsst halt Schwiitzerdütsch lernen, ihr dummen Deutschen, das hier ist Zürich, nicht Freiburg im Breisgau“ — ich sage dann: „Ich verstehe nicht alles, was Sie sagen, aber tun Sie sich bitte keinen Zwang an, man lernt ja gerne dazu!“. Das kommt gut an.
Heute leider nicht im FlixBus (irgendwie passte es von den Verbindungen her nicht), sondern in der sehr komfortable 1. Klasse der SBB/ Schweizer Bahn.
Gestern, im Gefecht der Nachtleben-Gespräche, versuchte ich, einer noch mal anderen Zürcherinnen klarzumachen, warum der enge kleine, oft ein wenig ausgeleiert nach unten hängende Klapptisch in den lindgrünen FlixBus-Sitzen wirklich ein Symbol/ ein Inbegriff der frei fließenden Kreativität für mich ist: Ich habe dort mehr gedacht, erfunden, formuliert als an vielen anderen, äußerlich zum Schreiben geeigneteren Orten. Und warum es natürlich wichtig ist, als denkender, die Worte setzender Mensch immer wieder von Tisch zu Tisch WEITERZUZIEHEN, also unterwegs zu sein, zwischen den Schreibtischen des Lebens. Und, so wiederholte ich, dass ein fast schon idealer Schreibtisch eben der im FlixBus sei, vor dem, leicht erhöht, das Autobahn-Deutschland vorbeizieht.
Sie immer: Welcher Tisch? Was? Wo? Wer zieht vorbei? Wo wollen Sie heute noch hinfahren?
Wir verstanden uns wirklich null. Und diesmal war nicht nur die Sprachbarriere daran Schuld, sorry, sorry. Egaaaaal.
Eben im Speisewagen des SBB — der Zug tat einen festen Schlag — in eine rührende kleine Omi hineingestolpert, Entschuldigung, sie schaute mich mitleidig an. Lustig!
„Kommt Donald Trump vor, ist er leider sehr lustig“ (Berit Dießelkämper über die Melania-Trump-Doku auf Netflix, Melania).
Michel Houllebecq singt wieder — das ist besser, als wenn er seinen nächsten Roman veröffentlicht, so Julia Encke in der FAS. Den letzten, vor drei Jahren erschienenen Roman hat die Rezensentin als Tiefpunkt seines Werks und als „Jammerprosa mit pornografischen Elementen“ in Erinnerung. Verstehe!
Natürlich freute ich mich nach einer Woche Big City Life (Paris, Zürich) schon wieder sehr auf das Schweigen im Wald, meinen fränkischen Frieden, das allseits Runtergedimmte der fränkischen Heimat. Schluss jetzt mit „Jeder darf zu allem irgend was rausquatschen und hat zu allem eine Meinung!“, ich bin wieder daheim!
Der ewige Schnee.
Das zweite Bier und das kleine Süppchen vor dem Hauptgang bei Christl.
Der 11-Uhr-Cappuccino im Café Sohns in der Schönwalder Stadtmitte.
Die Schönwalder SPD.
Mein täglicher Zeitungskauf (Süddeutsche, Frankenpost, Bild) im Fachhandel Bettina Grüner.
Die Blicke ins Fichtelgebirge, auf den Fahrten gen Süden (Selb, Kirchenlamitz, Wunsiedel, Arzberg): Schneeberg, Ochsenkopf, Kösseine, Waldstein, unser Großer Kornberg.
Alles andere wäre ja auch ein Wahnsinn.