11. Januar 2026, Sonntag

Einen wunderschönen Zeitungstext mit der Überschrift „Frostig“ hatte ich am gestrigen Samstagabend in der Wochenzeitung Schwarzenbacher Amts-Blatt gelesen, der Heimatzeitung für die bayerische Stadt Schwarzenbach-Saale.

Auf eine Art brachte dieser Text in seiner Ruhe, Klarheit, Übersichtlichkeit und ruhigen, starken Sprache den ganzen rasenden Wahnsinn und die Angstthemen unserer Zeit zum Stillstand (Ja, Trump, ja, Venezuela, Grönland und die furchtbare, von ihm selbst gewählte Aussage, dass dieser Präsident — um Gotteswillen — nur von seiner eigenen Moral und seinem Verstand gestoppt werden könne). Gekauft hatte ich das Amtsblatt übrigens in einer ebenfalls enorm ansprechenden und schönen Metzgerei, der Fleischhauerei Vider in der Schwarzenbacher Bahnhofstraße, zusammen mit 200 Gramm Gelbwurscht und einem Schälchen Kartoffelsalat (das Wort Fleischhauerei hatte ich echt überhaupt noch nie gehört, es wurde Zeit).

Zitat aus dem kursiv gesetzten Text — Entschuldigung, das wird hier jetzt ein bissl längeres Zitat —, es stand unter dem Schwarzweiß-Foto eines Schneemanns mit Blechtopf auf dem Kopf, ein Regenschirm baumelte über dem rechten Schneearm, der Kursivtext hatte im Grunde genommen nur die Funktion einer lange Bildunterschrift:

Der Winter hat Schwarzenbacher derzeit fest im Griff. So kalt war es seit langer Zeit nicht mehr. Frostige Temperaturen, eisige Nächte und winterliche Bedingungen prägen aktuell den Alltag. Straßen, Wiesen und Dächer sind derzeit vielerorts von Schnee überzogen und die Luft ist klar und bitterkalt. Der anhaltende Frost sorgt nicht nur für glatte Wege, sondern auch für ein echtes Wintergefühl. Passend dazu schmücken Schneemänner und weiße Landschaften das Ortsbild. Außerdem lässt der pappige Schnee die Kinderherzen (…) Der Winter erinnert Schwarzenbach daran, wie streng er sein kann, aber auch wie schön er sein kann und wie viele Aktivitäten bei diesen Witterungsbedingungen möglich sind. (…) Also liebe Leute, nicht frieren und klagen, sondern warm einpacken, raus an die Luft und Spaß haben!

Und lesend dachte ich: Wahr! Wahr! Genau so muss man es sagen. Und ich dachte: Schön, schön! Genau so empfinde ich es auch.

Weitere Themen dieser Nummer 2/ 2026, das Schwarzenbacher Amts-Blatt erscheint heuer im 123. Jahrgang (gegründet 1903):

Ein Porträt des ersten Bundeskanzlers Adenauer anlässlich dessen 150. Geburtstag.
Eine Wochenchronik der zweiten Januarwoche.
Ein Rückblick auf die Feste in Schwarzenbach im vergangenen Jahr.
Ein großer Essay zum Jahresbeginn von Markus Reinisch zur Frage, auf was es 2026 ankommen wird (Punkt eins: unsere Demokratie schätzen, natürlich, die im Gegensatz zu der in den USA noch etwas wert ist).
Verschiedene Porträt der Kandidaten für die Kommunalwahl im März.

Und lesend dachte ich: Andere Menschen haben ihren christlichen Glauben oder so was oder eine Alkoholsucht oder eine Pflanze, die sie jeden Abend gießen. Ich habe das Schwarzenbacher Amts-Blatt.

Sorry, sorry.

Ich möchte eigentlich gar nicht mehr sagen als genau das (das, was ich hier zwei Absätze höher stehend zitiert habe, meine ich). Ich empfehle, diese Worte — in diesen abgründig bösen, vollkommen übergeschnappten Zeiten — einfach noch mal zu lesen. Und sich zu besinnen. Auf die Stärken von uns Menschen.

Ach, das kommt jetzt sicher etwas aus dem Zusammenhang — Nachträgliches zu einem sehr schönen Drückjagd-Dinner am Freitag in Schloss Konradsreuth: Hemden mit Manschetten-Knöpfen lehne ich, das aber auch schon immer, als undemokratisch ab (sorry, sorry).

Und noch ein Interview mit Gerhard Polt im SZ-Feuilleton (Alex Rühle), das geht immer.

Aus irgend einem Grund geht mir in diesen Tagen die Melodie des wundervoll müden und erschöpften T-Rex-Songs Cosmic Dancer nicht mehr aus dem Kopf (Melancholie, sanfte Resignation, Akzeptanz der eigenen Endlichkeit), mein Kopf spielt ihn in Endlosschleife:

Is it strange to dance so late?

Es klingt nach Schweiß, nach Polyesterhemden. Nach der Angst vor dem Atomtod. Natürlich auch nach der Einsamkeit des an einer Bushaltestelle wartenden Teenagers in der südenglischen Provinz. Es klingt so total nach 1971. Es klingt wie ein Hundert Jahre alter Song.

Acht Uhr früh am Sonntag: Das weiße Licht über der großen, glatten Schneedecke im Park fährt hoch. Guten Morgen.