12. März 2026, Donnerstag

Ich bin geschockt von den Folgen des Iran-Krieges am Tag 13 der Operation, so muss man das sagen: Das Desaster ist allumfassend. Die Folgen für den Ukraine-Krieg sind immens — weil Israel und die Golfstaaten unvermindert von iranischen Drohnen beregnet werden, gehen der Ukraine die Patriot-Abwehrraketen aus. Putin triumphiert, macht dem Westen höhnische Angebote, ihm Öl und Gas zu Vorkriegspreisen abzukaufen.

Das sind Nachrichten, die einem körperlich Schmerzen zufügen.

Man kann als kriegsführendes Land (hallo, ekelhafter Pete Hegseth, hallo, USA) hier etwas dazulernen, ich denke, auch etwas wirklich NEUES dazulernen, Achtung: Man kann einen Krieg im Zeitalter der Drohne nicht mehr gewinnen — es geht nicht, man wird ihn immer verlieren, denn selbst ein in Grund und Boden und an den Rand der Funktionslosigkeit gebombter Staat (Iran) kann aus Pappkartons und Erdlöchern noch jahrelang selbstgebaute Drohnen hochsteigen lassen und so Schifffahrtsstraßen blockieren und Niedrig-Steuer-Paradiese ruinieren (Vereinigte Arabische Emirate) usw. usw.. Ja, das ist anders als 2003 oder 1945. Bitte verstehen!

Interessante Momente beim Bühnengespräch zu Erika Thomallas tollem Buch über Pop-Journalismus (Gegenwart machen, Schöffling Verlag, 257 Seiten, 27,99 Euro, viele Abbildungen), eine Veranstaltung der Lit.Cologne im sehr geilen Willy-Millowitsch-Theater.

Erika Thomalla hatte einen alten Text von Christian Kracht vorgelesen, 1994 in der Zeitschrift Tempo erschienen, Thema: ein Porträt des damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Rudolf Scharping (das ist der, der zurücktreten musste, weil er für Bunte mit einer Gräfin in einem Pool planschen war). Der Text, ganz normal vorgelesen, löste sofort Beklemmung, Ratlosigkeit, dann auch: Entsetzen aus, im Publikum wie bei uns auf der Bühne. Es war Popjournalismus pur, die damals absolut als toll empfundene Mischung aus Ultra-Snobismus, ja, auch Menschenverachtung, klar, (hier eher: Scharping-Verachtung), irrem Rumgelaber auf Seitenwegen (in diesem Kracht-Text: das Deutsche an sich, schwere Arbeit, schwer Böden, Bäuerinnen mit großen Brüsten, hä?) und ein paar sehr direkten, gut sitzenden Killersätzen.

Danach heftige Diskussion auf der Bühne. Es wurde das Notwendige gesagt — zur Verteidigung Christian Krachts: dass der Gestus der Total-Verhöhnung eben auch ein klassisch jugendlicher sei (Kracht war damals 26) und im Fall des grauseligen SPD-Scharping fast so etwas wie ästhetische Notwehr. Und ich erinnerte mich daran (leider nicht live auf der Bühne, sondern erst jetzt, gut einen Tag später, wo ich das hier tippe), wie ich als sehr junger Tempo-Volontär (18) oft für Entsetzen mit meinen Texten gesorgt hatte, einfach, weil ich so viel Bösheit und schöne, wilde Randalier-Lust in mir hatte und das Prinzip ÖFFENTLICHKEIT noch nicht verinnerlicht hatte, woher denn auch, das Verhältnis von Text und Wirkung konnte ich noch nicht einschätzen.

Die Verkehrsgeräusche in Seefeld setzen nachts aus, zwischen eins und halb sechs früh ist es still. Dann, sehr früh, zieht wieder das Röhren der V8-Motoren unten auf der Straße lang.

Du hast mich voll verletzt mit dem Satz, dass ich dick bin. Einen Bierbauch habe ich!
Echt? Das tut mir leid.
Nein, hast du gar nicht. Ich weiß ja selbst, dass ich dick bin und zu viel Bier trinke.

Sehnsucht nach Oberfranken und meinen klaren Aufgaben dort.