13. August 2025, Mittwoch

Im Wald, auf der spätmorgendlichen Visite bei Herrn Randolph — er war mit Auszeichnen beschäftigt und brachte an Tannen-Jungpflanzen den Verbissschutz aus Schafswolle an.   

Er, Randolph: Sagen Sie, Herr Oberförster, kann das sein, dass unten in der Senke, zum Pfarrhaus-Weg hin, eine Rückengasse fehlt?

Das kann eher nicht sein, kommen Sie, wir gucken mal gemeinsam.

Fünf Käferbäume sind noch mal dazu gekommen, das ist praktisch nichts — und insgesamt überhaupt nicht erschreckend. Wir können also mittlerweile von einem Jahr mit fast schon historisch niedrigen Käferschäden reden.

Die so genannte Hochkultur steckt mir noch in den Knocken, fuck.

Was bleibt von zwei Abenden bei den diesjährigen Bayreuther Festspielen, außer der SCHLACHT, die sieben Stunden Oper (Meistersinger) für den Körper bedeuten — der berühmte Erste-Aufzug-Schlaf, der einen wegen des Sauerstoffmangels, von hinten kommend, gleich in der ersten Viertelstunde ausknockt, die Knieschmerzen, Rückenschmerzen, Oberschenkelkrämpfe, Luftnot, legendären Schweißausbrüche, die in Wellen über einen kommen — und ständig die Angst, dass die hochelegante Dame neben einem den Abend nicht überlebt?

Frage an den Patenonkel aus England, links neben einem sitzend, auf den sehr guten Plätzen in Reihe 3:

Die Jacketts ziehen wir aber schon aus, oder?
Patenonkel: „Wenn du mich so fragst: Nein, die Jackets bleiben an. Das halte ich für ausgeschlossen, dass wir hier im Hemd sitzen.“
Könnerhafte Pause.
„Aber entscheide du bitte für dich selbst.“

Die Jacketts blieben also an.

Vom Tristan konnte man spätestens im zweiten Bild im zweiten Aufzug sagen — irgend so ein wirrer Gerümpel-Dachboden, der das Innere eines Schiffsbauchs zeigt: Da wird man schon in zwei Jahren keinerlei Erinnerung mehr haben, was das für eine Aufführung war. In den Pausen wird sich erzählt, dass die so genannte Katharina — sie besorgt gerade eine Oper ihres Urgroßvaters in Shanghai — die Inszenierung hält sie selbst für so misslungen bzw, noch schlimmer, für so unerheblich, dass sie schon im nächsten Jahr wieder abgesetzt werden soll. In Reihe 3 jedenfalls war der österreichische Heldentenor Andreas Schager einfach nur sehr, sehr laut — er gilt als Wagner-Brüllmaschine, wie es sie seit den 1950er-Jahren nicht mehr gegeben hat, noch vorgestern gab er in Bayreuth den Parsifal, einen dritten Tristan-Aufzug, bei dem das Stimme-Wegbrechen praktisch zum guten Ton gehört, singt er einfach so weg, alles kein Problem.

Freude gemacht hat mir der sehr junge (oder einfach nur sehr jung und attraktiv wirkende) König Marke — da kriegt das Drama um den Betrug seines Lebensfreunds Tristan, dem Treuesten aller Treuen, noch mal eine ganz andere Dimension: Was, die Brülleule Isolde lässt diesen schönen und jungen Marke für den kitschigen, dicken Schmierlappen und Schlageraffen Tristan stehen? Okay, da müssen echt Drogen im Spiel gewesen sein.

Meistersinger: Da sorgte ich in der zweiten Pause mit dem Satz „Ab jetzt kann sich, glaube ich, an den Gedanken gewöhnt werden, dass wir hier an einer gelungenen Aufführung teilnehmen“ für Irritation. Gut war gleich im ersten Bild eine himmelstürzend steile Treppe, auf deren letzten Stufe eine Katherinenkirche thronte, gut war natürlich auch die riesenhafte, kunterbunt gestreifte und gefleckte LSD-Schweineigel-Riesenkuh, die im dritten Aufzug über der gesamten Bühnenbreite der Festwiese hing und dann bei der Erwähnung der niederrangigen „welschen Kunst“ an Luft verlor.

Auf nachvollziehbare Kritik des Onkels an einigen Albernheiten in der Personenregie, die bei den Meistersingern ja nie ganz falsch sind (aber dann eben doch oft läppisch und beliebig wirken), entgegnete ich: „Mir fehlt da — komischerweise — die Lust, im Einzelnen an so einer Inszenierung herumzukritteln, geschweige denn überhaupt ein starkes und entschiedenes Urteil über die Regie zu fällen. Komisch, ich schau da lieber so mit einer gewissen Unschärfe und einem bisschen dummen, bewusst unscharfen Wohlwollen drauf und nehme das eher alles einfach so hin.“ Der Onkel darauf, wieder ganz richtig: „Da geht es dir, glaube ich, wie einem Großteil des Bayreuth-Publikums. Die Zeit der Konfliktfreude und heftigen Auseinandersetzungen in ästhetischen Urteilen und die Zeit der Fundamentalopposition zum Regietheater ist vorbei. Man möchte heute eher einfach eine gute Zeit haben — lächeln, begeistert sein, Standing Ovations geben.“ True.

Breaking: Julia Klöckner, Bundestagspräsidentin und „unsere Kim Wilde“ (Thomas Hüetlin), und Jörg Pilawa sind ein Paar. Echt wahr? Echt wahr. Das muss man schon deshalb interessant finden, weil unsere Julia Klöckner — in ihrer Achtziger-Jahre-Prallheit und blonden und dekorativen Große-Blumen-Stoff-Artigkeit — tatsächlich etwas toll Flashendes, fast schon Jeff-Kooniges hat. Stopp, Jörg Pilawa, ich bin doch auch in Julia Klöckner verliebt!

Viel Glück, Leute. Und, ach ja: neue Themen, bitte.