21. September 2025
ÄSTHETISCHE DISZIPLIN.
Und ich blies, drei Stunden lang, über die glitzernde A93 und A9 in die Stadt München.
Und noch mal alles anders. Ich mag den neuen Leif Randt — so wie alle Leif Randts zuvor — nun doch überhaupt nicht. Alles an dieser Literatur ist engherzig, brav, ängstlich, ehrgeizig, verschraubt, wie mit zu wenig Spucke im Mund geschrieben. Es ist, das auch — das ist seine Kunst, da ist er stolz drauf, schon klar, schon klar — sehr unsexy.
HAHAHA.
Unisex-Literatur.
Topfpflanzen-Literatur.
Grüntee-Literatur.
„Die Tortilla ist geisteskrank lecker“-Literatur.
Face-Yoga-Literatur.
Literatur für Ijoma Mangold und Lars Weißbrodt und die Hörerschaft der Sogenannten Gegenwart.
Und zwischendrin gibt es immer noch etwas lauwarmen Sake.
Die Rolle, die das Wort Mode in diesem Buch einnimmt — was soll das überhaupt, „Mode“? Das Wort benutzen Boutiquenbesitzer, Style-Spießer aus dem Berlin der 2020er. Und eben dieser Autor.
Ich weiß, das Buch handelt ja genau von ihm: einem Boutiquenbesitzer. Ich weiß auch: Das ist ein klassischer Generationen-Konflikt — wie ich hier den armen, braven Leif Randt ganz unzeitgemäß viel zu aufgeregt und aggressiv nicht gut finde. I may sound wie der Rock-Kritiker von 1976, der mehr Gitarren fordert und dem jungen, kühlen und eleganten Elektro-Pionier aus der Zukunft (ab 1978) vorwirft, nicht genug SOUL zu haben. Haha. Möglich.
Wer dieses Buch doch gut finden möchte, der braucht übrigens nur die sehr angenehme — angenehm tiefe, sich natürlich gar nichts scheißende, gut vor sich hindödelnde — Lesestimme des Hörbuchs im Aargon-Verlag zu hören (der Autor liest selbst).
Und er ist immer: lieb. Soft. Fully unaggressiv. Well balanced. Weich massiert. Face Yoga. Klar. Klar.
Ich will einfach nicht in dieser engen, durchgeharkten, nach Spießer-Kriterien vorsortierten Radler-Kappen-Ironie-Welt gefangen sein — es scheißt mich an, es ist wie Kapsel-Kaffee von Nespresso trinken oder diese ultra-sozialdemokratischen, extraweiten japanischen Regencapes und Fleecejacken tragen, die dieser Autor so liebt, es ist wie der Alptraum von Pop (alles missverstanden, sorry, sorry). Piet, der gute Freund des Boutiquenbesitzers Marian Flanders in Let‘s Talk About Feelings, würde sagen: „Es ist Knast.“ Fuck off, Berlin-Schöneberg-Spießer. Fuck off, Unisex-Literatur.
Kaiserwetter.
Wiesn oder doch keine Wiesn?
Natürlich Wiesn.
Die Laune ist zum Platzen gut.