24. November 2024, es ist Sonntag
Erst schlafe ich.
Dann schlafe ich ein bisschen.
Dann schlaf ich.
Dann Schlaf.
Dann Schlaf.
Noch ein bisschen schlafen.
Schlaf.
Schlaf.
Schlafen.
Ganz weg.
Weggehämmert: weite Reisen.
Waren das jetzt 25 Minuten oder 2 Stunden und 25 Minuten?
Ach so, echt nur 25 Minuten.
Noch ein bisschen schlafen.
Sonntagnachmittag, halb fünf. Der Himmel steht tief dunkelblau hinter den weißen Fensterfassungen, vier mal vier Stück, jedes Viereck etwa 15 mal 30 Zentimeter groß. Dahinter, dünn, fein, fäderig, die Äste der Bäume im dunkelblauen Himmel, novemberig fein, dünn, grau, kahl. Insgesamt sind das also 16 Teilfenster. Hatte ich auch noch nie gesehen.
Das studiert man dann über zehn, fünfzehn, zwanzig Minuten: die Äste der gut 250 Jahre alten Bäume, haushoch, vor dunkelblauem Himmel.
Ich spüre mein Hirn komplett stillstehen, kein Handy, keine Musik, kein iPad, nicht mal die Stille macht ein Geräusch. Das Hirn macht ganz auf, die ganze Stille, die ganze Welt fährt hinein. So liegen: über zehn, zwanzig, dreißig Minuten, noch länger. Und ich denke über den Tod nach. Null schlimm. Diese Stille habe ich zuletzt etwa 1984 gehabt, mit 14. Seither war immer irgend etwas gewesen, immer Remmidemmi. Jetzt ist es — Gottseidank — mal wieder einfach still.
Im Herbst des Lebens.
Ich spüre die Materialermüdung, also wirklich an mir, also zum Beispiel: in den Knien. Geistig, natürlich, leider auch. Das ist nicht schön. Ich glaube, ich muss bald sterben, aber das ist auch nicht so schlimm, wirklich nicht. Es war ja gut gewesen, wirklich sehr, sehr viel sehr gut gewesen, beinahe alles. Die Liebe. Das viele gute Essen. Acid House um 1988 und, natürlich: Techno, der Flash, so um 1991. Die erste New-York-Reise, unvergessen. Neapel war auch gut. Thanks God auch für den wunderbaren 21. Geburtstag, den wir hier in Sophienreuth gefeiert haben, meine Zwillingsschwester Katharina und ich. Das Zigaretten-Rauchen, das sage ich auch immer, war das Beste, aber das ist natürlich Quatsch.
Gegen 17 Uhr wird es ganz finster draußen. Auch die dünnen, hohen Bäume verschwinden.
Espresso. Leider keine Zigarette (zu alt). Den guten Anis-Fenchel-Kümmel-Tee, mein Alkoholersatz. Frank Sinatra sings for Only the Lonely. Sterben-Können ist eine große Kunst, da bin ich natürlich auch noch nicht, aber es scheint doch erreichbar. Ach, falls Sie das glauben: Ich bin null depressiv. Depressionen waren ihm null gegeben, haha. Ich musste schon immer glücklich sein, wenn ich nur ein, zwei Sekunden an meinen Sohn denke, und ich denke ja wirklich oft an ihn. UND WEGEN DER LIEBE könnte ich nie ganz unglücklich sein. All my loving an meine Freundin Anna. Denn die Liebe gibt es ja wirklich.
17.30 Uhr: noch ein Teechen. Noch ein bisschen Kram hier hintippen, Danke, dass Ihr da seid, meine Meldungen aus dem Wald. Später Rehfleischpflanzerl beim Onkel.