25. Januar 2026, Sonntag
Schriebe ich noch mal ein Theaterstück, es hieße: Das unergründliche Treiben der Deutschen am Hotel-Frühstücksbüfett.
Was da an Hass, an Bösheit, an Muff, an Menschenverachtung, an Dummheit durch den Raum fliegt (Hass natürlich speziell unter langjährigen Eheleuten) — ein Abgrund. Es ist die zirka zehnfache Menge von Dummheit und Bösheit, die es braucht, um erfolgreich ein deutsches Konzentrationslager zu leiten (jetzt bin ich selber böse und selbst ein bisschen dumm, jaja, ich weiß schon, sehr böse, ja komm).
Hass am Kaffeeautomaten. Hass am Toaster. Hass beim Anstehen an den Multivitamin-Saft-Karaffen (in den Farben Rosa, Orange und Rübenorange). Warum braucht der da jetzt so lange, warum sifft der alles voll? Das hasserfüllte Belauern der Mitfrühstücker und konkurrierenden Frühstücksbuffet-Nutzer an den durch Wärmelicht von oben orange angestrahlten Schüsseln mit den ebenfalls von der Oberwärme leicht angetrockneten Eierspeisen: Was macht jetzt die mit meinen schönen Rühreiern, mit meinem in eine Stoffserviette eingewickelten Mehrkornbrot, meinen Rollmöpsen, meinem Erdbeermarmelade-Topf?
Wie stinksauer kann ein Mensch morgens um acht die Wurst auf seinem Brot anschauen? #ANGST.
Aggressives Schweigen. Aggressives Flüstern am Tisch (wer hat das eigentlich erfunden, dass in Hotel-Frühstücksräumen mit GESENKTER STIMME gesprochen wird, es macht mir so eine furchtbare Angst). Die aggressive Hässlichkeit der SPORT-UNTERWÄSCHE, die der Deutsche in Frühstücksräumen trägt (atmungsaktive Wäsche und FROTTEE-Wäsche in den Farben Senfgelb, Currygelb, Neongelb, Leucht-Erbsengrün, Leucht-Traubenrot, Leucht-Beige, die neuen gedeckten deutschen Neonfarben sind besonders böse). Badelatschen und Sport-Puschen (!!). Hässliches Deutschland. Aggressive Provinzialität und aktive Ausländerfeindlichkeit in den Gesichtern wie in einem Faßbinder- und Peter-Fleischmann-Film von 1970 (Der Herbst der Gammler, Jagdszenen aus Niederbayern). Aggressive Verblödung (Rainald Goetz).
Schlagzeile Bild am Sonntag: „Trump verhöhnt unsere Soldaten.“ Um Gotteswillen. Bild: „Guttenberg fordert eine Entschuldigung.“ Guttenberg, warum denn Guttenberg? Als wer spricht der denn zu uns, als Ex-Verteidigungsminister, als Wieder-Verteidigungsminister (gar nicht mitgekriegt), als Adliger, RTL-Moderator, Start-up-Berater, als Gast bei Markus Lanz oder einfach als der weibliche und daher empfindsame Teil des, haha, Power-Couples KT-Guttenberg-Katharina-Reiche?
Der Zug fährt weiter nach Zürich. Und von dort aus wieder gleich weiter (eine Stunde Umsteigezeit), wo die deutschen Besatzer noch nicht sind — zumindest für ein paar Tage ist Ruhe: nach Paris.