26. Februar 2026, ich glaube, Donnerstag

Und dann trat zum Abend — es war gegen sieben, als the fading day/ der sich verabschiedende Tag den Büschen, Bäumen, Wiesen, ja sogar dem Alten Forsthaus hinter dem Schienenstrang das Licht ausknipste (Büchsenlicht): ein Fuchs auf den Wildacker.

Ein Fuchs im fetten Winterfell! Ein Walt-Disney-Film-Moment, sehr klassisches Hollywood, Dreißigerjahre. Und alles, was ich vor ein paar Tagen noch so klug und eloquent über die Naturrrrr gesagt hatte, war mit diesem Anblick schon wieder Blödsinn.

Kreuzberg-Anfall, wo kommt denn das jetzt plötzlich her? Aber weißt du was? Ich höre mir jetzt selbst mal einfach zu — wird besser so sein, wie folgt:

Isch habe disch lieb.
Isch habe Liebe, Liebe, Liebe, meine Gute, Gute, Gute.
Du!
Diesen.
Isch!
Isch habe gut … Naturrrr.
Isch habe gut Gefüüüüühl.
Isch macke gute, gute, guuute (Gefüüüühl).
Mach mir einen DÜRUM, Erkek Kardes, Diggsta, Diggele, Digga, mit extraviel extrascharfer Soße, mein Gutster, mein Bruder.
Isch hab disch doll lieb, meini Brudili.
Meine schönste Angebetete, die du misch in meine Traum verfolgst.
Viel Liebe.
Meine (sic!) Guter!

Ach so, ich war ja gestern im herrlichen Hofer Bahnhofsviertel unterwegs gewesen, das man so lieben muss, Sträßchen auf, Sträßchen ab, Kopfsteinpflaster, viel roter Backstein, Blick mal in diesen, mal in jenen Hinterhof. It‘s German workin class back in the 1980s, Baby.

Afiyet olsun, iyi mi yedin? Hadi, benim evimin önünde, güneşin altında birer fincan daha çay içelim. Şerefe, kardeşim!

Nicht klar ist auch nach zwei Jahren in diesem stillen, großen Haus auf dem Land, was man hier abends machen soll: also in den endlosen Stunden, in denen die Menschen in der Stadt in den Lokalen sitzen oder einfach U-Bahn fahren dürfen, von Station zu Station.

Der Fernseher?
Die Netflix-App?
Der Schallplattenspieler?
Das Telefon?

Alles falsch.
Alles total verwirrend.

Es gibt wenig Öderes und Überflüssigeres auf Erden als eine gut sortierte alte Popplatten-Sammlung. Wie ich eben Anna — dann doch wieder — am Telefon sagte (sie ist zur Zeit für sechs Tage, oh Gott, nach Kalkutta gereist, um dort ihre Stoff-Connection zu treffen und, klingt doof, ist aber natürlich toll, ihren Mindset einmal aus- und wieder anzuknipsen): Jeder schlechte neue Popsong ist um Welten besser als der gute, alte Popsong (vorhin versucht, eine alte Talking-Heads-Platte zu hören, es ist so absolut entsetzlich).

Gutes Feuilleton von Claudius Seidl über den Schmunzelbart- und Weinrote-Westen-Träger Harald Martenstein, der als rechter Grattler in der
Bild-Zeitung (im Gegensatz zum ZEITmagazin) natürlich neutralisiert wird und seine Wirkung nicht entfalten kann. Sein Renommee hat er auf wirklich erschütternde Weise in rasend schneller Zeit — seit zwei Wochen ist er Bild-Kolumnist? — verspielt (he lost more than he ever had). PS: Claudius Seidl übrigens wieder in Höchstform — eigenwillig, angriffslustig, wenn er Lust hat, ist er eine ganze Klasse klüger als die anderen, die so schöne süddeutsch-barocke Plauderlust ist auch wieder da — seit Wochen schon, seitdem er wieder bei seiner Hauszeitung SZ schreibt, Florian Illies wies mich darauf hin.  

Hier noch mal der ganze Stuckrad-Barre der vorgestrigen Tagesthemen — einfach so ein herrlich hartes, hochgeschwindiges Statement, a true BvStB, nur echt mit dem geilen Nazi-Hieb nach hinten raus, wie von einer Theaterbühne herunter gesprochen. Ich wusste bisher noch nicht mal, dass man als denkender Mensch natürlich gegen ein Speichern der KI von Texten zu sein hat, but it feels good to to be — hier rockin‘ Stucki:

„Lasst uns doch das Urheberrecht abschaffen. Alles gehört allen — dann gilt das auch für Patente. Dann mache ich eben Google 2 auf, auch Facebook, und die müssen mir genau zeigen, wie sie programmiert haben. Das kopiere ich dann einfach — und zwar ohne Nazis. Der Markt ist groß.“  #wordup

Ach so, sagte ich das schon mal? Ich finde Bücher ja im Prinzip ganz okay. Und so kam es, dass ich vorhin mal wieder in ein gut aussehendes weiß-rosa-schwarzes Taschenbuch hineinlas (aber es war leider auf Englisch):

Han Kang The Vegetarian (Winner of the 2024 Nobel Prize in literature). „A novel of sexuality and madness that deserves its great success“ (Ian McEwan).

Gespenstergrau da draußen, am frühen Morgen. Kickt.