29. September 2025, Montag

Heute dem haushohen, orangefarbenen Kran mit der Aufschrift HERMANN & WITTROCK — einem Spielzeug-Kran, bloß eben ganz in Echt und in Riesengroß — beim Reinigen der Regenrinnen zugesehen: auf dem Hof stehend, am Gartenzaun, mit tief in die Jackentaschen geschobenen Händen, zehn, zwanzig Minuten lang, bald über eine halbe Stunde, in größter Ruhe, in größter Zufriedenheit auch, wie so ein Eckensteher in der Kleinstadt, wie ein Langzeitarbeitsloser, wie ein Rentner.

So habe ich mir das Glück immer vorgestellt: komplette Runterdimmung des Hirns. Null Stress. Man kommt aus dem Wenig-Tun, geht ins Wenig-Tun hinein. Im Hirn dann wirklich nur noch: „Angenehmes Wetter heute, ja.“ Und: „Guck mal, der Kran.“ Und es ist wirklich: genau so gut, wie ich mir das immer, immer — vor allem in den Jahren des größten Stresses, als Journalist — gedacht habe.

Dann einen ganzen Tag lang — das Herbstlicht im Park im Augenwinkel — IN BÜCHERN gelesen.

Bücher: ja echt nicht so schlecht. Da muss auch noch mal in großer Ruhe drüber nachgedacht werden.

Und an Anne Will gedacht — die in der Gesprächsreihe Missverstehen Sie mich richtig, neuerdings moderiert von der Hipster-Transformationsforscherin Maja Göpel, gesagt hat, Instagram sei ihr echt zu doof, da erwische sie sich dabei, wie sie sich eine halbe Stunde lang nur Kopfbälle von Cristian Ronaldo angucke: „Sorry, aber ich lerne da einfach zu wenig.“

Jetzt in der ARD, seit 20.15 Uhr: den herrlichen Naturfilm Faszination Europa/ Wildnis Natur über die vom Menschen oft unbemerkte Nachbarschaft von Tieren und Menschen. Thema unter anderem: wie sechs Millionen Ratten in der schönsten Stadt Europas, Paris, ein gutes Leben führen. Dann ein Kapitel über den Draufgänger der Greifvögel, den Sperber. Dann, ultrafaszinierend, fast zu gut, um wahr zu sein: der Sex der Gottesanbeter (gleichzeitig ficken und sich gegenseitig auffressen).

Vorfreude jetzt schon auf One Battle After Another, den neuen Film von Paul Thomas Anderson mit Sean Penn und der Method-Acting-Nervensäge Leonardo DiCaprio (Paul Seehausen aus 16792 Zehdenick schrieb per WhatsApp, den solle ich mir bitte sofort angucken, er halte das für die Zukunft des Actionkinos, nächstes Kapitel, er wolle mit mir darüber reden — wie schön). Sich um 16 Uhr nachmittags in einem Cineplex-Kino in Rabertz (Markredwitz) 170 Millionen Dollar spent in Hollywood durch den Kopf rauschen zu lassen: kann nicht schief gehen, das wird auf alle Fälle gut.