3. September 2025, Mittwoch

Es war schon wieder so viel, klar, klar.

Der in der Frankenpost besprochene Abend mit DJ Hell im Café Schwarzer Peter: „DJ-Ikone mischt Selb auf. Einer der ganz Großen der Techno- und House-Szene …“

Das 26. der Sophienreuther Konzerte, wie immer kuratiert von Louis von der Borch, ebenfalls in der Frankenpost besprochen: „Am Samstagabend, kurz nach acht Uhr, wurde es im dicht besetzten Konzertsaal des Schlosses Sophienreuth blendend hell. Das Javis Quartett eröffnete sein Konzert mit dem Haydn Quartett Op. 76/4, das den Beinamen Sonnenaufgang trägt.“ Nach der Pause dann: Beethoven, Op. 132.

Drei Abende in München.
Schumanns.
Das Frauenhofer auf der Frauenhofer Straße.
Viktualienmarkt.
Sonnenbrillen-Kaufen am Gärtnerplatz.
Eisbach.

Ich breche mir zwei Zehen im linken Fuß, einfach so, beim Gehen, Stehen, Rumschauen, Durch-die-Gegen-Laufen, es ist mir auch kein Bierkasten oder Werkzeugkasten auf den Fuß gefallen — Marsch-Fraktur oder Erschöpfungsbruch heißt das (Gruß an den König der Ferndiagnose, Dr. Christopher Topar in Berlin), seither trage ich einen hellgrauen Plastikschuh à la Transformers oder Robocop (dazu sage ich jetzt nichts weiter, es ist mir einfach zu senil).

Sehr schöne Gespräche mit Mister Randolph im Wald — er erzählte wieder so schön und vor allem so lebendig von früher: DDR, NVA, Plauen, Revolution in Plauen, die goldenen Neunziger, „das schönste Jahrzehnt meines Lebens, es war alles so offen“, natürlich, natürlich.

Meinen logischen Vorschlag, einen 700-Seiten-Roman über sein Leben zu schreiben, wiederholt von mir vorgeschlagen, heute Morgen, gegen neun Uhr, wieder mal, am Wasserweg Ecke Pfarrhausweg, lehnt er wie immer lachend ab: „Ich bin 0815, nee, wirklich nicht, es gibt absolut nichts von mir zu erzählen. Also, da könnten Sie ja im Prinzip jeden fragen (…) Nee, das ist total uninteressant. Das interessiert wirklich niemanden.“

Und ich sage, etwas hilflos, klar: „0815 ist mein Allerschönstes.“
Und: „Ich liebe total uninteressant.“

Interessiert wieder ihn alles überhaupt nicht.

Arbeit an der Laudatio auf Johanna Adorjan zur Verleihung des Ben-Witter-Preises im Hamburger Literaturhaus am 6. Oktober — Konzentration, das Vertiefen in Text, eine Stunde, drei Stunden, vier Stunden lang, ist doch etwas Tolles, es ist wunderbar, den Kopf mal wieder richtig anspringen zu hören (ich habe hier zwei Kartons oder zirka 80 cm Text von Johanna Adorjan aus dreißig Jahren Journalismus in jetzt-Magazin, FAS und Süddeutsche liegen, auch nicht schlecht). Nothing beats die Klugheit, die man beim Vertiefen in eine als sinnvoll erachtete Arbeit empfindet, nothing beats die selige Ruhe while writing.

Abends, beim Warten auf die Freunde und SPD-Kollegen aus Schönwald, im griechischen Restaurant Elena in Rehau — ich war schon zehn Minuten früher da, um in Ruhe ein Pilsbier zu trinken —, lese ich, weil mein digitales SZ-Abo mir das vorschlägt, den herrlichen Verriss von Bernhard Heckler über den neuen Ferdinand-von-Schirach-Band Der stille Freund und muss soooooo lachen.

Die Schirach-Literatur hat über die vergangenen 15 Jahre ja eine ganz eigene Verriss-Schule hervorgebracht — die besten haben sich im Schirach-Lächerlich-Machen versucht und haben dabei große Lese-Hits produziert (unvergessen der Ulrich-Greiner-Verriss von Tabu, der mit dem die Literaturkritik verändernden Satz begann: „Den neuen Roman von Ferdinand von Schirach habe ich nicht verstanden, selbst nach zweimaliger Lektüre nicht“). Den Erzählband Verbrechen hatte man bei Erscheinen im Jahr 2009 ja noch als sehr gut oder — wie heißt das noch mal — vielversprechend empfunden, er ist aber, jetzt, im Rückblick, natürlich auch Schrott, weil man weiß, was von diesem Autor im Smoking noch alles für ein geschraubter Ultraquark erschienen ist, hahaha.    

Soeben im Buchladen seitenWeise in Rehau bei der Buchhändlerin Kati per SMS die folgenden zwei Bücher bestellt:

Kill Your Darlings, acht Stücke von René Pollesch, das schöne Taschenbuch mit der schwarzen Schrift auf rotem Grund (2014, rororo), hatte mit Schrecken gesehen, dass ich das aus irgendeinem Grund gar nicht mehr habe

Leif Randt, Let‘s Talk About Feelings. Seit Tagen denke ich: Irgendwas Schönes steht mir ja noch bevor — ach ja, das Buch mit dem Supertitel (schnurrt so schön weg, ganz, ganz schön und ideal) will ich ja noch in die Hand nehmen und mich in diese LITERATUR hinein begeben, die mir, zumindest beim letzten Roman, noch so auf den Sack gegangen ist. Zeitgleich habe ich die Feelings auch bei Petra Düker im Verlag Kiepeneheuer & Witsch bestellt bzw. Um ihr Zuschicken gebeten, will man zwei Mal haben, das Buch, dachte ich. Ich bin ja kein Leif-Randt-Anhänger, er nervt mich, mit seiner Supercleverness (normal), aber jetzt, wo auch Andreas Bernard noch mal gesagt hat, wie gut das ist — Andi Bernard fand den schon immer gut, eigentlich alle guten Leute fanden den schon immer gut, fair enough —, möchte ich das auch lesen. Und weinen.

Ach so, habe ich schon mal gesagt, wie schön hier das 15.35-Uhr-Licht nach einem auch schon sehr schönen Tröpfel-Tag durch die FENSTER in meine Schreibhalle scheint? Der Himmel pumpt einen an, und die Blätter machen Rischelraschelrausche.

Was mache ich noch mal heute Abend? VOLLKOMMEN UNKLAR.