4. September 2025, Donnerstag
Monopol Online: Wer ist die neue Vogue-Chefin Chloe Malle? Okay, das will man, dass will ich wirklich wissen! Wer ist der komische, kleine, rosa-gelb-farbene Blusen tragende Gremlin, der den Teufel nach 37 Jahren zur Seite geschoben hat?
Trinkt sie noch echt Alkohol? Ist sie über neun Stunden pro Tag am Handy, und welchen Schoßhund hat sie sich als Accessoire ausgesucht, einen Chihuahua oder den in der New Yorker BloggerInnen-Szene derzeit so populären Lhasa Apso (Tibet)? Kennt sie Trump noch aus den Jahren, als er der bisschen lächerliche, im Prinzip aber total sympathische Vater des rising Unterwäschemodels Ivanka Trump war?
Bernhard Heckler heute gleich noch mal über Schirach in der SZ, dieses Mal ausgesprochen positiv: Er lobt ihn als Talkshow-Gast — gut, das ist ein so gleichermaßen kluges wie durchschaubares Manöver und deshalb natürlich nicht nur klug (Schirach wird es in noch tiefere Verzweiflung stürzen, er liest ja wirklich jede Zeile, die über ihn erscheint, und liest in jeder Zeile, auch den fairen und den explizit gut gemeinten, nur Verrat und Missgunst).
Der Kritiker, verstehe ich, verstehe ich, hat das Bedürfnis, nicht nur hart, böse, kalt, hämisch und schlecht gelaunt rüberzukommen, als der das tödliche Urteil überbringende Killer — es wirkt ja auch klein und dumm, wenn man als Kritiker nur Häme hervorzubringen hat, und, im Gegenzug, kann überraschendes Lob so absolut intelligent und beschwingend sein und die Augen öffnen (siehe der Superkritiker Adam Soboczynski).
Im ZEIT-Feuilleton gab es nach dem Greiner-Gemetzel ein natürlich nicht offizielles, dadurch aber noch effektiver gültiges Verbot, hämisch über Schirach zu schreiben, da würden nur überraschend freundliche Kritiken gedruckt (mit dem Ergebnis, dass in der ZEIT seit 2013 kein interessanter Text mehr über Schirach erschienen ist).
Und ja, nützt alles nichts: Der Fatzke im Smoking ist durch Lob natürlich längst nicht mehr zu erreichen, alles verletzt ihn, das Feuilleton, eine einzige Verschwörungsmaschine — wer sich einmal so missverstanden und vorgeführt fühlt, der glaubt nur noch dem Totalverriss, weil die verächtliche Meinung, die er sich vom Feuilleton gemacht hat, so wieder und wieder reproduziert und bestätigt wird, das Lob ist in dieser paradoxen Logik nur der größte Hohn, der gemeinste Verrat. Er, unser Homer, Kleist, Kant, Goethe, Hemingway, Philipp Roth (??), ein exzellenter Talkshow-Teilnehmer: Schrecklicher war es nie, das ist der Gipfel.
Und hier gleich weiter rumstinken: Wim Wenders ist sicher ein ganz, ganz wichtiger Regisseur mit ganz, ganz wichtigen und elegischen Filmen — aber ich will doch keinen scheiß 80-Minuten-Film auf scheiß Arte über ihn sehen! (Gestern trotzdem gemacht).
Ich brauche ein neues Verhältnis zu deutschen Filmregisseuren über 80, dache ich gestern wieder, ich finde, sie sehen mit ihren schrecklichen zerknitterten Leinenjacketts eigentlich alle nach Mundgeruch und totaler Langeweile aus, man will nur flüchten — außer Werner Herzog, der in seiner Superbayer-in-Hollywood-Haftigkeit natürlich auch nervt, aber noch mal anders (Herzog ist ja vor allem als Schriftsteller ein echt Großer).
Frankenpost: Schönwald. Gernot Mang ist frisch gewählter Präsident des TSV 1860 München. Seine Managerqualitäten setzt er künftig auch in der Region ein — als Vorstandsvorsitzender der TBS Tabletop.
Sexträume beim Betrachten meines Bücherregals: Gottseidank (nein, nein, mache ja nur Witze).
Der hellgraue Star-Wars-Plastikschuh am linken Fuß verhindert die Bewegung, die mir als ganz normal wütender und unausgeglichener Mensch jeden Tag zusteht, das ist nicht gut, das muss wieder besser werden. Alles klar.