6. August 2025, Mittwoch

Man kann nicht immer einfach nur nice sein, sieben lange, glühend heiße Sonnentage lang, an einem Pool, an dem einfach alles zum Brüllen schön ist und der viel zitierte und oft herbei gewünschte, sich jetzt absolut perfekt anfühlende leichte Wind durch die eben leider auch idealen oder gleich auch wieder perfekten 28,5 Grad im Schatten geht. #normal.

Irgendwann denkt man dann: Jaaaaaa. Whatever. Whatever.
Oder: Echt? So ein Quatsch.
Red halt bitte nicht so einen dummen Quatsch.
Oder: Sag, hörst du gerade überhaupt nicht zu?
Oder noch einfacher: Bitte nicht das schon wieder.
Komm, mach mal halblang, Diggi.
Is‘ klar.
Is‘ klar.

Ich finde dich jetzt leider voll bescheuert, nervig und, ach so, ja, nicht für fünf Cent cool und, ich weiß auch nicht, was hier gerade los ist, fuck off, Abstand bitte, okay.

Auch wieder ein guter Satz, um ihn zu denken, aber nicht laut zu sagen — ein echter Klassiker der nonverbalen Kommunikation: Ach, halt die Fresse, du.

Beim für den hiesigen südlichen Kulturkreis prollig deutsch viel zu früh angesetzten Abendessen — es war halb acht, in einem scheiß Traumlokal am Meer — machte sie ihr GESICHT. Und auf dem Fels unten, auf dem die Gischt ihr Schauspiel aufführte, liefen die Hochzeitspaare auf, sie wurden von professionellen Fotografen in Szene gesetzt und von Drohnen abgeschossen.

Wo kommt denn das jetzt her, diese Härte, wir waren doch gerade noch so leicht und lieb und vergnügt miteinander?

Da überlege ich jetzt: Wie soll man diesen Energiestrom, diesen akut negativen hier, jetzt bitte aufnehmen?

Jetzt erschrick doch nicht gleich so, mein Süßer, Doofer, mein süßes Vögellein. Es ist doch alles halb so wild.

ACH SO! Jetzt bin ich aber wirklich sehr erschrocken. Wenn alles okay ist, dann möchte ich auch gleich nicht mehr so erschrocken sein, dann finde ich auch alles halb so schlimm, da bin ich sehr gerne dabei.

Und Richtung Bedienung sprach sie — die Teller mit dem Fischskelett waren noch nicht abgeräumt: Kein Espresso, die Rechnung, bitte. Wir gehen.

Man weiß auch, das habe ich hier in den herrlichen Urlaubstagen noch einmal neu erfahren: Unten am Meer, da wo es den Strand, das Geschrei, die beschallerten Touristen-Läden und White-Lotus-Boutiquen gibt, die 4 x 4 Off Road Pandas drängeln und die Temperaturen um zehn Grad höher liegen als bei uns oben in den Bergen, da kann die Stimmung schnell kippen. Landeinwärts, in den schwarzen Maffia-Dörfern, die hinter den Tausend Kurven liegen, da lässt es sich atmen und die Ruhe bewahren — da bleibt es friedlicher.

Am nächsten Morgen: Geräusch von unten, in der Küche.
Ein Kaffee wird nach oben ans Bett gebracht.

Er hört sie dann sehr ausführlich in einer nicht ganz fremden, aber doch vollkommen unverständlichen Sprache telefonieren. Business. Die nicht aufschiebbaren Dinge. Bisschen neue Urlaubsplanung, schon bis zum Ende des Jahres, ist auch dabei.

Den Müll müssen wir noch wegfahren.
Okay, mein Liebling, das machen wir dann später, als Nachmittagsbeschäftigung, zusammen.