6. Februar 2026, Friday

Schon gestern Abend auf die Idee gekommen, mit Blick auf diesen wieder sehr langen, schwer verhangenen und februarig milchig weißen Tag den in der Zeitungskritik auf mich ganz sympathisch wirkenden Film Extrawurst im Kino anschauen zu gehen — den deutschen Hitfilm der Saison, eventuell auch die deutsche Gesellschaftssatire dieser Tage: oh je.

Kino? Genau, das ist das in deutschen Fußgängerzonen, wo man eine Tüte Popcorn kauft und dann auf sehr bequemen Sesseln mit anderen Menschen, die man noch nie gesehen hat und wahrscheinlich nie mehr wieder sieht, vor einer leider oft dann doch zu kleinen Leinwand sitzt. War, so etwa von 1930 bis 1998, neben der Popmusik die populäre Kultur weltweit. Im Prinzip: ganz okay.

Also Anfahrt Central-Kino in der Fußgängerzone, Altstadt 8, 85028 Hof. Die schönste Kinozeit, nämlich 14 Uhr am Freitagnachmittag — die Vorstellung für Arbeitslose und Schülergruppen.

Man dachte: Ein Film mit Harpe Kerpeling kann ganz scheiße nie sein, und tatsächlich: Zumindest er — dieser große Gentleman, unser Ersatz-Bundespräsident (bitte, wie toll war neulich seine Rede auf Norbert Lammert!) und Botschafter des deutschen Gemüts — zumindest er kriegt es hin, während der ersten Stunde des Films nicht einen schlecht sitzenden, die Zuschauer verratenden Satz zu sagen (nach etwa einer Stunde entschied der Kritiker sich trotzdem, den Saal zu verlassen, es ging nicht mehr weiter). Neben ihm, Hape: das im Prinzip ganz okaye Zusammenspiel ganz okayer, eher schon wirklich guter, ganz klar sympathischer deutscher Filmleute (Christoph Maria Herbst, Friedrich Mücke, der Jerks-Typ Fahri Yardim, eine Anja Knauer). Man sieht ihn, diesen Cast, in den Drehpausen zueinander sagen: Komm, das kann jetzt endlich mal wieder ein Film werden, für den wir uns nicht schämen müssen — gleichzeitig intelligent und trotzdem unterhaltsam, komm, komm.

Keine Ahnung, was hier schon wieder das Problem war oder warum der Zuschauer nach etw. zwanzig Minuten denkt: Kommt, lasst gut sein (Regie: Marcus H. Rosenmüller, komödienerprobt). Auf ungute Art merkt man dem Film an, dass er die Verfilmung einer auf dem flachen Land sehr erfolgreichen Boulevard-Theater-Komödie ist — Pointen, Pointen, Pointen und die furchtbare sehr gute Beobachtungsgabe der Drehbuchautoren. Türken, Nazis, Wokeness, das deutsche-Tschibo-Karohemd, der deutsche Multifunktions-Grill, ein alter Benz, Bundesrepublik-Nostalgie, der in den 1980er-Jahre noch moderne Tennisclub (Signalfarbe Orange), alles muss vorkommen.

Die armen Schauspieler — wie oft dachte man im deutschen Kino schon: Ihr aaaaarmen Schauspieler! — sie stehen da in einer Kleinstadt-Tennishalle und sagen tapfer den sehr gut geschriebenen Wortwitz/ die deutsche Gesellschafts-Satire auf: Der Vereinspräsident (Kerpeling) heißt Heribert, der Hausmeister (Milan Peschel) Hans-Günther, alles klar (sorry, sorry, aber hat Milan Peschel jetzt nicht mal genug Unterhalt für seine 15 Kinder verdient? In welchem deutschen Film spielt der bitte nicht mit?). Es ist doch sehr interessant zu sehen, wie schwer es offenbar ist, einen gelungenen Kinofilm herzustellen — viel schwerer als ein gutes abstraktes Gedicht zu schreiben oder ein gelungenes, nicht hässliches Aquarell zu malen!

Was ist noch mühsamer als eine zum Erfolg verdammte deutsche Kino-Komödie? Genau, eine Komödie, die uns total verunsicherten, längst nicht mehr an das Gute glaubenden Deutschen den scheißdreck Spiegel vorhalten möchte. This Season‘s German Hitkomödie: doch wieder nur Höho-Kino, eine gut gemeinte Pointen-Rappelkiste. Und mein Gott Hape, Entschuldigung: Du weißt es auch.

Beim Rausgehen schon das Plakat für den nächsten Hape-Kerkeling-Film gesehen: Vorfreude auf Horst Schlämmer sucht das Glück (demnächst in Ihrem Central-Kino) — wir erbarmungslosen Kritiker von MadW werden natürlich wieder da sein.

The falling Dunkelheit gegen 17:22 Uhr. Starke Einsamkeits-Gefühle hier heute in meinem großen Arbeitszimmer. Und ja, auch DAS ist sehr reales Thema hier, draußen im Königreich der Oberfranken, ich kann das zugeben: die Angst zu verdummen.

So grüße ich, ich tapferer Abgeschnittener, euch, liebe Freunde, da draußen in den Städten:

Wie geht es dir, Philipp Oehmke?
Wie geht es dir, Helge Malchow?
Wie geht es dir, Martinowitsch?
Wie geht es dir, Annabelle Hirsch?
Wie geht es dir, Julia Voss?
Wie geht es euch, Anna und Jakob?

Die Hühnersuppe von gestern noch mal aufwärmen (the art of Aufwärming).

Mit jener fiebrigen Aufmerksamkeit, die exklusiv für das Betrachten des Literarischen Quartetts reserviert ist, die neueste Folge des Literarischen Quartetts angeschaut (viele sagen, man braucht es nicht mehr gucken, klar, ich sage, ich schaue es trotzdem lieber als viel anderen Scheiß im Fernsehen, vielleicht auch aus einer Art Wetten, dass ..?-Nostalgie). Auftritt des Stars des Spiegel-Kulturteils (Xaver von Cranach), man muss sich sofort in ihn verlieben, und des Stars des Zeit-Feuilletons (Marlene Knobloch), auch in sie muss man sich sofort verlieben, tolle Folge.  

Dann, heute, Freitagabend, ab 20 Uhr im „Kulturhammer“, der Gasthaus-Bühne in 95199 Thierstein-Kaiserhammer: Elektronischer Tanzabend mit DJ Diskopeter (Eigenwerbung: „unterwegs in ganz Bayern und darüber und daneben und auch mal in Berlin“) und DJ Karamelli.

Ich halte mich bereit. Als einer der Allerersten möchte ich da sein.