6. September 2025

Wer jetzt alles Fotos findet, von sich und Armani, knutschend, herzend, Arm in Arm, an irgend einem Laufsteg, es sind praktisch alle in meinem Insta-Account. Er hat über all die Jahre, die ganzen Neunziger und Nuller, mit gerade bekannt werdenden Bloggerinnen bzw. Girls, die einfach im Bikini um die Welt reisen, geposed, so hat er also seine Milliarden gemacht — das muss ein toughes schedule gewesen sein.

Ich hätte in der großen Wochenzeitung natürlich über mein Interview schreiben müssen, das 1995 in Mailand stattfand (zirca 15 Minuten) und als Thema die schöne Christian-Kämmerling-Zeile „24 Stunden in Bermudas“ hatte — vollkommen richtig, natürlich, natürlich, aber ICH WAR SCHWACH (sorry, sorry). Und, Tatsache: Ich erinnere mich kaum noch an etwas.

An WAS ich mich noch erinnere, hier im Detail:

Armani sprach kein Englisch, nicht ein einziges Wort, oder er hatte keinen Bock, englisch zu sprechen — das Interview ließ er von einer eleganten, kleinen Dame mit Schreibblock in der Hand übersetzen. Das ist doch wirklich ein interessanter Punkt — der King of Hollywood sprach kein Englisch!

Gleich mal bei ChatGPT nachgefragt, ob das möglich ist oder ich mich hier falsch erinnere: Ist das möglich, dass Giorgio Armani kein oder kaum Englisch sprach?

Antwort: „Ja, das ist tatsächlich möglich. Giorgio Armani (geb. 1934) ist in Italien aufgewachsen, hat in Mailand studiert und seine gesamte Karriere im italienischen Modeumfeld aufgebaut (…) zumal er in den 1970ern schon eine etablierte Marke hatte, bevor Englisch weltweit zur Pflichtsprache wurde (…)
Über Armani ist bekannt: Er gibt Interviews meist auf italienisch, meist mit Dolmetscher. Viele internationale Auftritte wurden durch Übersetzungen begleitet.“

Okay, ChatGTP, vielen Dank, ich erinnere mich also richtig.

Wie damals üblich, wurde das Interview mit analogem DIKTIERGERÄT aufgezeichnet, gab ja noch keine Digitaldinger (das Beweisfoto von der Minikassette erschien, neben Interview-Kassetten von Jon Bon Jovi, Los Angeles 2000, und, haha, Joschka Fischer, Berlin 1998, bei mir auf Insta).

Er war so klein, wie jetzt alle immer schreiben, aber nicht verrückt klein (kein Danny de Vito).
Blaues T-Shirt, blaue Shorts, eventuell: blaue Wildleder-Slipper.
Der berühmte gleichmäßig braune Teint.
Keine Armbanduhr! (Statement — ich dachte Jahre später noch, immer wieder: So geht das also, als Ultra-Gentleman, man trägt besser gar keine Armbanduhr).
Ich erinnere außerdem sehr genau: dass man in seine operierten Nasenlöcher wie in eine Steckdose hineinschauen konnte.
Außerdem: die wirklich sagenhaft angenehm weiche, sanfte, sehr großbürgerlich vornehme, norditalienische Art (wie seine berühmten Anzüge, gewissermaßen ein Umgang ohne Schulterpolster, nicht kantig hart, sondern weich, fließend).
Ende meiner Erinnerungen!

Schön am Vormittag: Sitzen auf der großen Terrasse.
Die köstliche kühle Luft.

Antje Rávik-Strubel geht bei Klassik Pop Etcetera mit dem denkbar größten Klopper rein:
Life is live von Opus (von 1984).
Alles sofort da, ihre DDR-Jugend, eine schöne Kindheitsgeschichte (Papa brachte ihr von einem London-Besuch die 7-inch-Single mit), Vor-Digital-Euphorie:

„All together now: Nana Nanana … LIFE!“

Danach bei ihr natürlich nur noch ganz schlechte und kitschige DDR-Schriftstellerinnen-Prenzlberg-zur-Wende-Scheußlichkeiten: Element of Crime, Portishead (kotz), Radiohead und immer wieder das schreckliche Claire-Waldoff-Gekrächze. Macht ja nichts, ein grandioser Song pro Leben ist genug. 

Beim nicht ganz schlechten Italiener gestern in Großwendern fiel mir auf (neues Lokal in der Dorfmitte, von außen in weinroter Ölfarbe gestrichen oder wie das heißt, innen die üblichen riesigen hellgrauen Bodenfließen, Bilderrahmen und sonstige Deko in Yoga-Beige): Man sagt nichts Kritisches über das Essen, keinesfalls, ganz egal, wie es dann wirklich schmeckt oder wie es aussieht, man sagt immer, immer, gleich beim ersten Biss: „Schmeckt gut, doch, wirklich gut, mmmmmm.“ Okay!

Anna erzählt mir sehr interessant von ihrem Abend gestern in Zürich.