7. September 2025
Der FlixBus-Fahrer sieht, wie alle FlixBus-Fahrer, wie der neue polnische Präsident Karol Nawrocki aus (war ja neulich auf Antrittsbesuch bei Präsident Trump). Verschlagen. Fleischige Ohren. Nicht ungefährlich. Er lässt sich da stumm die indischen, pakistanischen und srilankesischen Pässe zeigen.
Die sehr klassische FlixBus-Passagierin nehmen mir: noch recht frisch mit der Schule fertig, Samthose, Dr. Martens, langärmeliges T-Shirt (schwarz) unter kurzärmeligem T-Shirt (weiß), JBL-Kopfhörer, empfindsames Metallbrillengestell, Sudoku, und die unvermeidlichen REISCRACKER. Brösel, brösel, ja.
Ich wie immer links auf einem Doppelsitz: damit die Wahrscheinlichkeit, nicht der eine dumme Tote zu sein, sondern zu den nur Schwerverletzten zu gehören, wenn der Bus wieder rechts in die Böschung kippt, gegeben ist.
Ganz groß auch im FlixBus: dass eben keine Musik läuft.
Wer im FlixBus keine Literatur schreiben kann, der kann es nie.
Aufmacher von Claudius Seidl im SZ-Feuilleton (…) Hierzu an anderer Stelle mal mehr. Welcome back to the Süddeutsche, lieber Claudius!
Eben geguckt, wo jetzt noch mal die nächsten Landtagswahlen stattfinden, wegen denen doch jetzt alle so aufgeregt sind (inklusive mir):
Baden-Württemberg 8. März 2026.
Rheinland-Pfalz 22. März.
Sachsen-Anhalt 6. September.
Berlin und Mecklenburg-Vorpommern im Herbst 2026.
Kommunalwahlen sind gleich jetzt, am kommenden Sonntag (14. September) in NRW, im März dann in Bayern.
In den hardrockenden, den bösen Kommunen im Ruhrgebiet — Gelsenkirchen, Duisburg, Essen II, Reckllinghausen — werden es Festspiele für die AfD.
Und auch das noch mal hinschreiben, damit es sackt:
AfD in Sachsen-Anhalt 39 Prozent, CDU 27 Prozent.
Im Osten will eine Mehrheit den lupenreinen Nationalsozialismus zurück.
Problemlösen? Hau ab mit Arschloch scheiß Problemlösen, du Arschloch.
Wir wollen Zerstörung.
Hass.
Abschottung.
D-Mark.
Bargeld.
Verbrennermotoren.
Alle Windräder umsägen.
Atomenergie.
Russisches Erdgas.
Volksmusik.
U.S.-amerikanische Race-Musik auf den Index.
Ausgehverbot ab 23 Uhr.
Todesstrafe für Kinderschänder und grüne Kommunalpolitiker.
Deutsche Nationalmannschaft (DFB) nur noch mit Spielern mit deutschen Vor- und Nachnamen.
Deutsche Burger (Schweinefleisch mit Sauerkraut).
Deutsche Unterwäsche (Trigema).
Deutsches Sexspielzeug (auch Trigema).
Grüne: verbieten.
Opposition: verbieten.
Öffentlicher Rundfunk: verbieten.
Englisch sprechen auf Pausenschulhöfen: verbieten.
Internet: auch verbieten.
Wir wollen überhaupt mehr russische Zustände in Deutschland: lernen von Russland.
Liberales Deutschland: abschalten, verbieten.
I am not joking, man, das sind exakt die Forderungen, die ich 2009 und 2019 bei meinen Deutschboden-Recherchen — damals noch halb im Ernst, beim fröhlichen Biertrinken — im Bundesland Brandenburg gehört habe. Nun ist das Konsens — werden diese Positionen bei der nächsten Landtagswahl auf Platz eins gewählt. Mehr Russland in Deutschland wird: umgesetzt.
Drei fröhliche Techno-Kinder auf dem Rückweg vom Tankstellen-Kiosk zum FlixBus, rumalbernd, lachend, halbnackt, halblange, wuschelige Haare, die Girls tragen BHs zu Adidas-Hosen, der Junge ein Konzert-T-Shirt. An der Raststätte Bodensee in Hörbranz, Österreich, hatte der Bus Halt gemacht, nun möchte er weiterfahren, fährt schon wieder an.
Die Kinder bleiben stehen, fassungslos, winken, brüllen, bleiben nun endgültig stehen, brüllen weiter, hey, hey, das gibt’s doch nicht, Hallo? Halloooo! Aber nein, der Busfahrer, unser Karol Nawrocki, zieht ab, lässt das leuchtgrüne Schiff Richtung Autobahn rausschwenken. Fuck lustige Techno-Kinder, die die Abfahrtszeiten nicht respektieren (nein, nein, die Kinderlein haben es dann doch noch auf den Bus geschafft, irgendwie, aber es war knapp!).
Zoll Diepoldsau.
FlixBus X06 von München nach Zürich ist pünktlich.