9. Juli 2025, Mittwoch
Kleiner Nervenzusammenbruch im Supermarkt heute, nichts Schlimmes, wie folgt:
Die Bedienung an der Backhaus-Kutzer-Theke — dem E Center Egert in 95100 Selb vorgelagert — hatte zwei XL-Cappuccinos in zwei hässliche XL-Tassen mit weiß-mauve-farbenen Streifen reinlaufen lassen, genauer: die Milch aus der Milch-Vorrichtung des Automaten in die Tassen reinrinnen und reintröpfeln lassen, schöne zehn Minuten lang ging das, und dann gerade mit dem Zwetschgen-Streusel-Blechkuchen-Schneiden begonnen, das alles in trostlosester, umständlicher, mich leider sehr aggressiv machender Thüringer-Land-Ex-DDR-Grenzinneren-Ruhe, das Abkassieren noch in ganz weiter Ferne.
Ich, zur zweiten Bedienung, die da sinnlos vor der Glasfront des Backofens ihrer Kollegin zuguckte und die Arme hängen ließ:
„Einen halben Frankenlaib, bitte. Schnell.“
Sie, ungläubig: „Schnell?“
Ich: „Genau, superschnell, absolut brutal schnell, bitte. Weißt du, Diggi, ich flippe sonst aus. Ich muss heute noch einen Tausend-Seiten-Roman zu Ende schreiben. Was denken Sie denn? Verdammte Scheiße nochmal.“
Sie: „Geschnitten?“
Ich: „Natürlich nicht geschnitten. Am Stücke, bitte.“
Sie reichte das Brot über die Theke und stellte die gnadenlose Verkäuferinnen-Frage: „Mit Karte?“. Ich hatte die Karte schon seit Sekunde eins meiner Bestellung neben meinen Kopf gehalten.
„Mit Karte. Genau.“
Und ich erklärte, Brottüte entgegennehmend:
„Entschuldigen Sie, ich habe heute ein bisschen schwache Nerven. Das Leben auf dem Land, Sie verstehen.“
Sie verstand nicht.
Sie war schon, adäquat genervt, beim nächsten Kunden.
Am Morgen: Visite bei Mister Randolph und Dr. Jacklestone.
Keine besonderen Vorkommnisse.
Die Laune dort: wie immer astrein.
Witze, Sprüche, andere Erzählungen.
Gute Witze auch über die schwachsinnig aggressive, nach Beschluss des neuen AfD-Verhaltenskodex am Wochenende — weniger NS-Vokabular, Rassismus, strafrechtlich relevante Hetze und Verleumdungen — ihren Hass jetzt ulkig darniederhaltende Frau Dr. Weidel.
Heute noch: den Brandbaum oben am Friedhof abräumen.
200 Festmeter für das Sägewerk Kaiser, 600 für Weisser.
Gut in der Zeit.
Frage: Wer nimmt jetzt die große Lärche, die neben der großen Douglasie unten an der Kleppermühle gefallen ist? Rund 80 Zentimeter Durchmesser, das fliegt raus beim Sägewerk (zu stark).
Am morgigen Donnerstag beginnt das PROBESTEHEN, eine der vielen, mit rasend liebevoller, natürlich auch mit rasend schwachsinniger Hingebung gefeierten inoffiziellen Aktivitäten der Wiesenfest-Ultras für das Wiesenfest Selb — wir im Landkreis Wunsiedel sagen: das sicherlich schönste Volksfest auf Erden (die Wies‘n in München ist ein Witz dagegen, wir vergleichen das besser gar nicht miteinander).
Probestehen, das heißt hier: Man stellt sich schon am Donnerstag, also einen ganzen Tag vor Eröffnung, mit einem mitgebrachten Kasten Bier (die härteren unter den Ultras mit Schnaps) auf den Goldberg an die Tore des noch dunklen und verschlossenen Wiesenfests, unter das Schimmern der noch lichtlosen Lichterkette, und wartet mit den anderen, die das Wiesenfest lieben, dass das Fest am Freitag aufgeht. Noch einmal ein ganz anderer Anlass, sich voller Liebe im Herzen zulaufen zu lassen, und natürlich auch: das Wiesenfest recht schlau und effektiv um einen Tag verlängert! Es ist ja nur einmal im Jahr Wiesenfest in Selb, wie sie, die Wiesenfest-Ultras, vollkommen richtigerweise immer gerne sagen.
Ich werde am morgigen Donnerstag leider nicht mit dabei sein können, weil das Flygirl am Flughafen München von Fernreisen eintrifft und wir gemeinsam die zweiwöchigen Sommerferien in Oberfranken beginnen. Auch Liebe, aber eben doch ganz anders.
Du gütiger Sommerregen. Ab morgen wird es, so steht es geschrieben: wieder heiß.